Der 1. April: Fake News Tag
364 Tage im Jahr predigen wir Kindern sie sollen nicht lügen. An 1 Tag im Jahr ist es ok. Weil´s Alle tun.
364 Tage im Jahr verurteilen wir Fake News auf´s Schärfste und fordern Verantwortung und Sanktionen. An 1 Tag im Jahr ist es ok. Weil´s Alle tun.
Wenn alles ok wäre, was Andere tun…
Sich einen Tag im Jahr wie ein Täter fühlen. Die eigene gute Reputation, die aufgebaute Personal Brand oder auch einfach nur die Jobbezeichnung nutzen und etwas, das „erstunken und erlogen“ ist als Wahrheit darstellen. Glaubwürdigkeit erzeugen.
Das ist Teil von Täterpsychologie.
Das ist, was moralisch verurteilt wird.
Das ist, wovor viele Menschen Angst haben.
Du merkst es schon, dieser Blogbeitrag ist anders. Die Energie ist heute auch eine andere. Nach unzähligen Fake Postings war ich wütend und stellte mir viele Fragen.
- Warum machen das Menschen überhaupt?
- Warum machen das Menschen, die ich bislang immer als absolut integer und authentisch gehalten habe?
- Was ist so lustig daran Lügen zu verbreiten?
- Und was ist lustig daran darüber zu lachen, wenn einem geglaubt wird?
Ich bin enttäuscht.
Enttäuscht von soviel unbewusstem Handeln. Vor allem von Menschen, die sich die anderen 364 Tage im Jahr auf Social Media als besonders authentisch, echt und glaubhaft darstellen. Und denen ich das geglaubt habe. Und übrigens auch gern weiterhin glauben würde. Ob das klappt, kann ich nicht versprechen.
Mein Fazit heute hätte auch ein anderes als dieser Beitrag sein können:
Ich lese am 1. April eines jeden Jahres keine Social Media Beiträge, schaue keine Nachrichten, gucke mir keinen WhatsApp Status an und schreibe keine eigenen Beiträge, denn jetzt mal ehrlich: wer wird mir denn am 1. April irgendwas von dem, was ich da schreibe, glauben?
Doch das will ich nicht. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem Menschen nicht geglaubt wird. Wie etwas, das ich sage mit Sätzen wie „das kann nicht sein“, „das glaub ich jetzt nicht“ und „bist du dir (wirklich) sicher?“ in Frage gestellt wird. Etwas, das jahrzehntelange außerhalb meiner bewussten Wahrnehmung lag. In dem Moment, wo es mir bewusst wurde, glaubte man mir nicht.
Und das ist doch genau das, was wir tagtäglich sehen. Die Casa Fernandez ./. Ullmen ist nur Katalysator in einer Thematik, in der es genau darum geht: Glaubwürdigkeit und Glaubhaftigkeit. Um ein Bild von einem Menschen, das jahrelang aufgebaut wurde und um das, was hinter dem Bild ist.
Ich weiß, dass das hier für einige ein ziemlich krasser Vergleich zu sein scheint, aber lass es uns mal aus einer inhaltlichen Metaperspektive betrachten. Ohne Schuldzuweisung, ohne moralische Beurteilung, ohne Bewertung.
Beim Aprilscherz kommen folgende Dinge zusammen:
- Man denkt sich eine Geschichte, eine Tatsache aus, die nicht wahr ist
- Man tut das in der Absicht Andere bewusst zu täuschen
- Glaubt einem jemand diese Geschichte, freut man sich und vielleicht lacht man den Anderen sogar aus
Das ist exakt die Vorgehensweise von Straftäter*innen.
Der Einzige Unterschied: man klärt am Ende auf, in dem man „April April“ sagt. Und meint damit ist alles gut.
Was man nicht sieht sind Demütigung, Ausgelachtwerden, verletztes Vertrauen und Unsicherheit, die entsteht. Denn jetzt mal ehrlich: wer mich bewusst täuscht, um sich lustig über mich zu machen, würde derjenige es nicht wieder tun?
Gaslighting ist übrigens eine hervorragende Grundlage geschlossene Tätersysteme zu bewahren. Sätze wie:
- Ach das hast du dir nur eingebildet, das stimmt gar nicht
- Das hat sie falsch verstanden, das war doch nur Spaß
haben ne ziemliche Ähnlichkeit mit den Sätzen, die nach einem Aprilscherz fallen, findest du nicht?
By the way: die Täterin und der Täter stecken ins uns Allen. Das ist per se weder gut noch schlecht, weil wir ohne Tatkraft nicht in die Umsetzung kämen. Aber es ist eben eine Frage der Richtung.
Deshalb sei dir bewusst: du wirst auch beim Aprilscherz zur Täterin, ob du willst oder nicht und auch egal, ob du dich damit identifizierst oder nicht.
Und noch eine Sache ist mir dann gestern aufgefallen. In einer Welt in der nur Fake News verbreitet werden, traue ich mich gar nicht echte Inhalte zu posten. Aus Angst sie würden ebenfalls strukturiert als Fake News abgestempelt werden. Ich will nicht, dass das mein Normal wird und deshalb ist dieser Blogbeitrag entstanden.
Herzliche Grüße, Miriam
PS: Ich glaube dir. Immer. Egal wie verrückt Dinge zu klingen scheinen. Bis du mich belügst. Dann fange ich an, an deiner Glaubwürdigkeit zu zweifeln.
PPS: Noch eine persönliche Randnotiz. Ich war die, die immer reingefallen ist. Die, die immer ausgelacht wurde.








