Jasmins hat gefragt, wie sie sie ihr Talent entdecken und ausleben kann.
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Inhaltsverzeichnis
Frage von Jasmin

Biografie als Schlüssel und Talent vs. Können
Grundsätzlich können wir natürlich ganz unterschiedlich daran gehen. Also wir könnten uns zum Beispiel fragen, beziehungsweise du könntest dich ganz bewusst fragen, was hat dir als Kind unheimlich viel Freude bereitet? Und es geht gar nicht so darum, was kannst du besonders gut, weil Talent ist erst mal etwas, das in uns angelegt ist und was zu einer Fähigkeit wächst, wenn wir es trainieren. Wenn also beispielsweise Malerei oder Sport als Talent angelegt sind, dann kommt es darauf an, ob du darin aktiv wirst oder eben auch nicht.
Und dann wird daraus das Leben des Talentes. Talente auszuleben funktioniert dann besonders gut, wenn wir der Freude folgen, wenn wir uns in den Flowkanal begeben. Denn dadurch entsteht Leichtigkeit, Lebendigkeit.
Das bedeutet nicht, dass etwas immer total easy ist, sondern da bedarf es ja auch einer gewissen Übung beispielsweise. Und mit der Übung geht die Frustrationstoleranz einher. Also da hängt schon ein bisschen mehr dran.
Aber wenn wir im Sinne von Identität, Ressourcenarbeit, Biografiearbeit gucken, dann ist eben der Blick in die Kindheit schon mal total hilfreich. Was hat dir besonders viel Freude gemacht? Aber auch zu schauen, was mochtest du noch nie wirklich gerne und warum nicht? Manchmal liegt da einfach auch eine Blockade. Also ich mache mal ein ganz einfaches Beispiel. Vielleicht wärst du eine unfassbar gute Konditorin, fandst aber Backen mit Mama oder Oma immer total doof. Möglicherweise liegt aber das Talent in dir, unfassbar großartige Torten zu machen. Und das Backen mit Mama oder Oma haben es dir so ein bisschen verhagelt.
Genau, das ist schon mal die erste Perspektive. Ein Aspekt, der dabei zu berücksichtigen ist, ist auf jeden Fall, dass Menschen mit einer Hochbegabung in der Regel viele Dinge gut können. Das heißt aber nicht, dass sie sie gerne mögen.
Der Sweet Spot, das ist das, wo du dein Talent auslebst.
Hürden bei hochintelligenten Menschen
Wenn du Dinge tust, die du gerne magst und die du gut kannst. Und wie gesagt, zu dem Gutkönnen braucht es in der Regel ein bisschen Übung. Und Übung ist etwas, das hochbegabte Menschen und überhaupt insgesamt mit einer überdurchschnittlich hohen Intelligenz nicht so wahnsinnig gerne mögen.
Das heißt, da ist schon mal so die erste Hürde, tatsächlich aus einem Talent etwas zu machen, was man auch richtig gut kann. Wodurch das richtig gerne Mögen ja dann noch mal gesteigert wird. Wenn Üben für dich als Kind oder als Jugendliche oder auch heute als Erwachsene etwas ist, was du ungerne tust, dann ist es super hilfreich, sich genau damit einmal zu beschäftigen und sich beispielsweise das Thema Frustrationstoleranz anzuschauen, die wir brauchen, um Frustration im Übungsprozess tatsächlich bewältigen zu können.
Wenn diese Frustrationstoleranz aufgrund einer hohen Intelligenz und dass das früher alles einfach war als Kind und Jugendliche, nicht stark ausgeprägt ist, dann ist das auf jeden Fall ein Ansatz, den man berücksichtigen sollte. Und dann ist da noch ein Aspekt, den ich sehe, und zwar so eine gewisse kollektive, durch die Gesellschaft geprägte Erwartungshaltung, dass man doch bitte aus seinem Talent etwas machen möge. Ja, alleine beim Aussprechen erzeugt das bei mir schon ganz viel Druck.
Gesellschaftlicher Druck
Mach was aus deinem Talent. Mach was aus dir, Mädchen. Aus dir muss doch was werden. Und so weiter und so fort. Das heißt, es kann sein, dass in dir unbewusst ein richtig großer Druck entstanden ist, ein Erwartungsdruck, dieses möglicherweise auch utopisch vorgestellte „eine Talent“ zu finden und dann glücklich zu werden. Da sind ganz viele Utopien, da sind auch ganz viele Wenn-dann-Formeln schon drin.
Du hast es gemerkt. Wenn ich mein Talent lebe, dann bin ich glücklich. Wenn ich mein Talent lebe, dann bin ich zufrieden, dann bin ich erfolgreich.
Dann, dann, dann. Das könnte auch noch dazu führen, dass es für dich scheinbar unmöglich ist, das zu finden, was dich glücklich machen würde. Da dreht sich die Katze also selber im Kreis.
Mythos vom einen Talent
Einen anderen Aspekt habe ich in einem Satz schon betont, und zwar das eine Talent. Auch das ist gesellschaftlich konnotiert, gesellschaftlich geprägt. Das ist mittlerweile im Rahmen unserer Spezialisierung in Deutschland, dass wir weg von einem Generalistentum gegangen sind, ist es geprägt, dass wir die eine Sache, das eine finden mögen, was uns richtig begeistert, womit wir unser Leben lang glücklich sind, wo wir Erfüllung finden.
Und ja, das gibt es, absolut. Die Wahrscheinlichkeit, dass das bei dir so ist, wenn du hochintelligent bist, mit einem multithematischen Interesse und einem Wissensdurst, der nahezu unstillbar ist, ist allerdings nicht ganz so groß. Das heißt, das Risiko ist, dass durch die Begrenzung der Erwartung, das eine zu finden, die Vielfalt in dir, die sich als Talent angelegt und in dem Ausleben äußern könnte, blockiert wird.
Weil dahinter ja schon steckt, du musst dich entscheiden. Und zwar für eine Sache. Nicht für vier, nicht für zwei oder fünf, für eine Sache.
Und die eine Sache, und da kommt der nächste Erwartungsdruck, die muss dir bitte bis zum Lebensende richtig viel Spaß machen. Und damit mögest du bitte auch noch viel Geld verdienen, erfolgreich sein und bitte obendrauf sei glücklich. Also, was ich jetzt hier so ein bisschen übertrieben darstelle und immer wieder auch mit ganz viel Humor geprägt, mit ganz viel Betonung, ist einfach, ich sehe hier wahnsinnig viel Druck.
Praktische Schritte
Das heißt, meine Empfehlung ist relativ einfach, aber wahrscheinlich nicht ganz leicht. Geh dem Erwartungs-, also, nehmen wir mal den Druck weg, geh der Erwartung mal auf die Spur.
- Was erwartest du davon, das Talent zu finden?
- Was erwartest du davon, das Talent auszuleben?
- Wie willst du über dich denken?
- Was würdest du über dich denken, wenn du das Talent auslebst?
- Was würdest du fühlen, wenn du diesen Gedanken denken könntest?
- Und wo würdest du das im Körper spüren, welches Verhalten würde das auslösen?
Das ist sozusagen die erste Kette, die ich mit dir machen würde und was du wunderbar für dich alleine machen kannst. Im nächsten Schritt würden wir dann schauen, und wie können wir jetzt diese Zukunftsversion durch dein Bewusstsein und dein aktives Handeln im Hier und Jetzt erschaffen? Es ist Identitätsorientierung auf der Basis von Ressourcenorientierung im Coaching. Und dazu nehmen wir sozusagen „alles, was mir zur Verfügung steht“.
Nein, ich habe natürlich noch mehr, was mir zur Verfügung steht. Aber wir gucken uns deine Biografie beispielsweise an. Wir gucken uns deine Gedankenstrukturen an.
Und wir schauen wirklich ehrlich, und ich sage dir auch, was dich von dem Ehrlichen abhält, das erzähle ich dir gleich. Wir schauen ehrlich hin, worum es hier eigentlich geht. Denn meistens geht es bei solchen Fragen nicht darum, das Talent zu finden und auszuleben, sondern das Gegenteil zu vermeiden.
Wahrscheinlich liegt dieser Frage, und das kann ich nur hypothetisieren, wahrscheinlich liegt dieser Frage, die große Angst zugrunde, was, wenn ich mein Leben vergeude? Was, wenn ich das Potenzial und das Talent, was mir geschenkt wurde, was mir in die Wiege gelegt wurde, nicht nutze? Was, wenn ich aus meinem Leben nichts mache und am Ende unglücklich sein werde? Was, wenn ich mit 84 zurückschaue und denke, shit, hätte ich doch bloß. Man weiß aus der Palliativmedizin, und meine beste Freundin ist Palliativmedizinerin, die kennt sich damit sehr gut aus, liebe Grüße an dieser Stelle, ohne Namensnennung natürlich, dass wir am Ende des Lebens das bereuen, was wir nicht gemacht haben, und tatsächlich nicht das bereuen, was wir vermeintlich falsch gemacht haben. Denn, und das könnte auch die Angst sein, so einen Fehler zu machen, und ich sage dir ganz ehrlich, ich arbeite ja mit dem LifeDesign-Ansatz in Kombination mit Selfleadership, wo auch Mindset-Arbeit drin ist, und in Kombination mit Management, wo auch Zeitmanagement mit drin ist, aber im LifeDesign ist es so, dass wir Prototypen entwickeln, Prototypen beispielsweise auch von einer Zukunft, und die schon mal leben.
Das können wir auch in unserer Vorstellung tun, weil unser Gehirn, da machen wir uns das zunutze, hat eine sensationelle Funktion. Es kann nichts zwischen Realität und Vorstellung unterscheiden. Das heißt, wir können uns richtig schön in eine Vorstellung hineinvisualisieren und mal gucken, ob das ein Prototyp eines Lebens ist, was wir uns vorstellen können.
So, und mit diesem LifeDesign-Ansatz, die Grundhaltung des LifeDesigns ist tatsächlich, wir machen Fehler, um zu lernen. Wir machen Fehler, um etwas besser zu machen. Wir machen so schnell wie möglich Fehler, im Sinne der Planung sozusagen, um richtig, richtig gut zu werden.
Von der Gesellschaft her sind wir allerdings konditioniert auf alles richtig machen. Bloß keine Fehler machen, sonst gibt es Sanktionen. Und sei es nur das rote Kreuz oder der rote Strich in der Klassenarbeit.
Ja, da fängt es ja schon an. Ohne, dass ich jetzt hier das Bildungssystem ins Spiel bringe, weil das ist ein Blog-Artikel für sich. Genau, aber so würde ich da tatsächlich rangehen.
Ich würde tatsächlich auch die Frage stellen, und die geht schon sehr, sehr tief. Das ist auch so der Punkt, wo ich sage, jetzt fängt es gleich an, den Blog-Artikel zu sprengen.
Was steht denn zwischen dir und deinem Talent?
Coaching-Methoden
Ich bin ja ausgebildete Coachin. Ich habe zwei Coaching-Ausbildungen. Das eine ist systemisch prozessorientiert, und das andere mit Schwerpunkt auf hochbegabte Menschen. Und systemisch prozessorientiert würde ich tatsächlich an dieser Stelle eine Einzelaufstellung empfehlen. Mal gucken, was steht denn da eigentlich dazwischen? Was steht zwischen dir und dem Talent? Und was steht aber auch zwischen dir und der Entdeckung des Talentes? Und dann würden wir uns prozessorientiert daran entlanghangeln. Ähm, genau. Und natürlich kann man noch ganz viele andere Dinge machen.
Man kann Persönlichkeitsanalysen machen, beispielsweise wie den Karriereanker. Man kann mit dem Münchner Hochbegabungsmodell arbeiten. Das liebe ich auch tatsächlich sehr.
Und mal schauen, welche Fähigkeiten, Talente liegen denn vor? Wo wird etwas schon in Leistung übertragen? Wo noch nicht? Wo gibt es da entsprechende Transferhemmnisse? Welche Menschen hat es gegeben, die in welcher Art und Weise auf Talent und Leistung eingewirkt haben? Was hat man von den Menschen gelernt? Das ist auch immer eine richtig schöne Frage. So, was habe ich eigentlich von meinen Eltern über Talent und Leistung gelernt beispielsweise? Und da würden wir ganz individuell schauen, was es braucht, um das herauszufinden. Und tatsächlich möchte ich auch hier noch einmal die Membership go for it! ins Spiel bringen.
Denn mit der Methode des inneren Teams kannst du supergut herausfinden, welche Talente in dir sind in Form von Teammitgliedern. Also beispielsweise die Künstlerin, die Sängerin, die Romanautorin, die Konditorin. Und dann mal schauen, welche Bedürfnisse sind damit verbunden und wie können die einzelnen Teammitglieder stärker werden. Die Arbeit mit dem inneren Team lernst und übst du dort.
Und im Rahmen der Membership gucken wir uns auch Werte und Bedürfnisse und Ziele an. Das kann man wunderbar verbinden. Und letztendlich auch so die Frage, was treibt dich eigentlich innerlich an? Und auch da gibt es ein Modell, und zwar das Modell der inneren Antreiber, mit dem wir auch arbeiten, wo wir uns anschauen, welche Verhaltensmuster werden automatisiert, befeuert sozusagen. Das Modell lernst du kennen, machst die Analyse und arbeitest dort damit.
Also zum Beispiel, es perfekt zu machen oder es allen recht zu machen oder es besonders schnell zu machen. Und noch zwei mehr. Das eignet sich auch richtig, richtig gut.
Achtung Ablenkung
Und lass mich noch eine Sache zum Schluss sagen. Es mag jetzt ein bisschen ketzerisch klingen, aber es wird dir nichts bringen, dich jahrelang mit Hochbegabung zu beschäftigen, wenn es darum geht, dass du dein Talent finden und ausleben willst. Weil das ist ein wunderbares Beispiel dafür, was wir tun und was wir eigentlich tun müssten, was wir aber vermeiden, weil wir den Schmerz nicht fühlen wollen.
Lass uns da noch einmal reingehen, weil es einfach wichtig ist. Ich kann mich auf der Management-Ebene, auf der sachlich-fachlichen Ebene, ganz lange mit einem Thema beschäftigen und damit vermeiden, dass ich mich mit einem Schmerz auseinandersetze. Ich habe vorhin schon von der Angst gesprochen, beispielsweise nicht das aus dem Leben gemacht zu haben, was man eigentlich hätte machen können.
Je mehr ich mich mit Hochbegabung beschäftige, je mehr ich weiß, dass ich multithematisch interessiert bin, je mehr ich weiß, dass beispielsweise Menschen mit einer hohen Intelligenz dazu neigen, sich zu verzetteln, ganz viele Projekte gleichzeitig zu machen usw., desto mehr bin ich beschäftigt, mich nicht damit zu beschäftigen, was das eigentliche Thema bei mir ist. Und wenn es die Angst vor Fehlern ist, dann geht es darum, genau das zu lernen, den Raum zu halten für die starken Emotionen aus der Vergangenheit und die aktuellen Gefühle, die damit in Verbindung stehen, wenn du Fehler machst oder sich tatsächlich sozusagen in Zukunft und Vergangenheit gleichzeitig zu beamen und sich vorzustellen, was ist denn, wenn ich mit 84 auf mein Leben gucke? Was würde ich denn Stand heute bewerten? Was würde ich bewerten, wenn ich diesen Prototypen mit dem Talent ausleben würde? Und dann kommen die Antworten, dann kommen die Gefühle, dann kommen die Emotionen, und dann wirst du es halten lernen.
Wenn wir nicht lernen, unsere Emotionen und unsere Gefühle zu halten und im Körper zu spüren, werden wir immer damit beschäftigt sein, uns auf einer „Management-Ebene“, also auf einer sachlich-fachlichen Ebene, mit einem Thema zu beschäftigen, ohne in der Umsetzung auch nur einen Zentimeter weiterzukommen. Punkt. Ja, ich lache an dieser Stelle. 😉
Nicht, weil ich über die Frage lache, sondern weil ich es einfach immer und immer wieder sehe. Egal was, wir können immer drüber schreiben: Ich mache doch schon so viel! Warum funktioniert es denn nicht? Und es geht nicht darum, dass es funktioniert, es geht darum, dass es sich stimmig anfühlt. Und je mehr wir machen, desto mehr entfernen wir uns vom Fühlen. Das heißt, wenn wir etwas anderes wollen, dann dürfen wir mutig sein, und zwar den Mut zur Verletzlichkeit aufzubringen, den Schmerz, der in uns gespeichert ist, zu fühlen.
Tiefe Blockaden
Und dann wird es auch einfacher, das Talent zu leben. Lass mich bei Talent noch eine Sache sagen. Natürlich können wir es hier auch mit möglicherweise Angst vor Ablehnung oder Angst vor Ausstoß haben. Wir könnten es hier beispielsweise mit Loyalitätskonflikten der Familie oder dem Umfeld gegenüber haben. Ich hatte mal eine Kundin, die hat sich immer selbst sabotiert, dadurch, dass sie ihre Produkte als Selbstständige nicht auf den Markt gebracht hat. Sie hat sie immer marktreif hergestellt, hat sie dann aber nicht verkauft. Und über die Biografiearbeit sind wir draufgekommen, dass sie in einem Familiensystem aufgewachsen ist, ausschließlich mit Beamten und Beamtinnen, und sie die erste Selbstständige war. Ja. Entschuldigung, da war der Loyalitätskonflikt ja vorprogrammiert.
Was, wenn sie als erste, und dann auch noch als erste Frau in der Familie, richtig erfolgreich selbstständig wird? Wir haben hier einen Culture-Clash des Familiensystems, das komplett auf Sicherheit programmiert ist, und sie geht in die vermeintliche Unsicherheit der Selbstständigkeit. Hier prallen Welten aufeinander. Und wenn meine Kundin das nicht erkannt hätte, hätte sie unbewusst immer weiter versucht, dazuzugehören, indem sie beweist, dass Selbständigkeit und Unternehmertum gefährlich sind. Bloß nicht ausgestoßen zu werden, bloß nicht abgelehnt zu werden.
Zum Abschluss
So, liebe Jasmin, jetzt danke ich dir für die Frage. Ich danke dir für den Mut, ich danke dir für dieses spannende Thema, das natürlich auch absolut ein Thema für ein 1:1 Coaching wäre.
Und ich freue mich auf all eure Kommentare unter diesem Blogartikel zu diesem Thema. Lasst mich gerne wissen, was ihr darüber denkt.

Herzliche Grüße,
Miriam
Transkript erstellt mit Turboscribe.ai und manuell überarbeitet








